Am 3. Dezember 1888 wurde beim Kapuzinerwirt beschlossen, die Schützengesellschaft Hohenschäftlarn zu gründen. Wegen Geldmangel, noch fehlendem Gewehr und sonstigen Widrigkeiten wurde der Schießbetrieb mit Zimmerstutzen jedoch erst am 9. März 1889 begonnen. Die Gründungsmitglieder waren Xaver Bauer (Wirt und Schreinermeister), Xaver Elffroth (Schneidermeister), Ludwig Mühlbauer (Ökonom), Peter Oberrieder (Ökonom), Balthasar Schillinger (Schuhmacher), Franz Schillinger (Kramer und Schuhmachermeister) und Josef Schmid (Bäckermeister).
Das Mitgliederverzeichnis des Jahres 1897 enthält bereits 24 Schützen. Im ältesten noch vorhandenen Protokollbuch wird anlässlich der Generalversammlung am 11. Januar 1896 erwähnt, dass die Statuten erstmalig geändert werden, um die “Teilnahme von Frauen und Jungfrauen an der Gesellschaft zu ermöglichen” – allerdings waren weiterhin Frauen von der Übernahme von Ausschussstellen ausgeschlossen. Erste weibliche Mitglieder waren Frau Maria Schilffarth und Frl. Mathilde Bader. 1910 wurde der Abschluß einer Haftpflichtversicherung beschlossen und der Monatsbeitrag auf 30 Pfennig festgelegt; dabei ist zu bedenken, dass seinerzeit die Maß Bier 29 Pfennig kostete.
Unter der Führung des Herrn Elffroth plante man für 1914 die Feier des 25-jährigen Bestehens, mit der auch ein Sommerschießen verbunden werden sollte. So viel aus den noch vorhandenen Unterlagen zu entnehmen ist, dürfte diese Unternehmung an dem seinerzeit ausgebrochenen 1. Weltkrieg gescheitert sein.
Mit diesem Ereignis kam also auch für die Schützengesellschaft ein großer Einschnitt: Unterhaltung und Geselligkeit fielen aus. Auf der Generalversammlung am 21.10.1915 wurde entschieden, die Schießabende für die Dauer des Krieges ganz einzustellen.
Am 4. Dezember 1919 wurde im Gasthaus “Wendelstein” beim Dröscher der Schießbetrieb wieder aufgenommen, während Versammlungen und Bälle weiterhin beim Kapuziner stattfanden. Erster Schützenmeister nach dem Kriege wurde Otto Dröscher. Mit 9 : 8 Stimmen wurde ab 1925 zugelassen, dass an den Schießabenden auch Karten gespielt werden durfte.
In der Nachkriegszeit achtete man unter den Mitgliedern besonders auf gute Schießleistungen der einzelnen Schützen. So erfolgte 1925 die Aufnahme in den Bayerischen Schützenbund.
Unter Schützenmeister Josef Schuh wurde 1926 die Anschaffung einer Schützenkette beschlossen. Hierfür hat Frau Schlee von der Bahnhofsgaststätte die größte Anzahl der notwendigen Münzen gestiftet. Diese Kette wurde am 31.12.1926 dem ersten Schützenkönig Peter Hott – dem späteren Ehrenschützenmeister – verliehen. Am 15.7.1928 wurde als Abteilung der Schützengesellschaft eine Kleinkalibergruppe gegründet, die ihren Schießstand in der “Hiatagruabn” aufbaute. Die Schießsonntage sind den ältesten Schäftlarnern noch in bester Erinnerung.
Anläßlich des 40-jährigen Jubiläums wurde im Juli 1930 ein größeres Schießen veranstaltet, zu dem die Gäste aus Nah und Fern sehr zahlreich erschienen. Nicht zuletzt wurde bei diesem Anlaß dem Verein die hohe Ehre zuteil, dass der damalige Protektor des Bayerischen Schützenverbandes Seine kgl. Hoheit Prinz Alfons den Herren Kreitmeier und Böck das Prinz-Alfons-Erinnerungszeichen verlieh.
Vom 4. bis 19 Juli 1931 fand erstmalig in Hohenschäftlarn ein Gauschießen statt. Daran beteiligten sich bereits 134 Schützen.
Ab 1933 bis Ende des 2. Weltkrieges wurde der 1. Vorsitzende nicht mehr “Schützenmeister” sondern “Schützenführer” genannt, entsprechend den damaligen Gepflogenheiten.
Zum 50-jährigen Bestehen im Jahre 1938 schreibt der Chronist: “Wir alle wollen bestrebt sein, auch mit vollem Eifer und treuer Kameradschaft ins 2. halbe Jahrhundert einzutreten, damit einst unsere Nachfolger unser Erbe übernehmen können, wo sie sich dann auch unser erinnern werden, wie wir vor 50 Jahren das gleiche Fest veranstalteten”.
Durch den 2. Weltkrieg bzw. die Verbote der Besatzungsmacht ergab sich eine Unterbrechung des Schießbetriebes von 1941 bis 1950; von 1938 bis 1950 fehlen leider alle Unterlagen.
Am 29.10.1950 wurde von Schützenmeister Georg Oberrieder – dem späteren Ehrengauschützenmeister – die erste Generalversammlung nach dem Kriege einberufen. Georg Oberrieder war auch maßgeblich an der Wiedergründung des Gaues Wolfratshausen beteiligt und wurde in Bad Tölz zum 2. Gauschützenmeister gewählt. Der Schießbetrieb durfte zum Leidwesen der Schützen zunächst nur mit Knick-Luftgewehren aufgenommen werden; nach Lockerung der Bestimmungen wurden auch wieder Zimmerstutzen verwendet; einige Mitglieder hatten diese Gewehre “zufällig wieder gefunden”.
In den 50er Jahren stiftete der Schützengau Wolfratshausen eine Jugendschützenkette; Peter Denzer aus Hohenschäftlarn wurde erster Jugend-Gauschützenkönig. Dieser Erfolg scheint auch der Anlaß für die Gründung einer Jugendgruppe am 25. Febr. 1951 gewesen zu sein; diese bestand ursprünglich aus 8 Jungschützen.
Am 19.4.1952 wurde in einer ordentlichen Versammlung der Vorstandsmitglieder der Schützengesellschaft Ebenhausen, Hohenschäftlarn, Neufahrn l.d. Isar und Zell eine “Hauptschützengesellschaft Schäftlarn” ins Leben gerufen, wobei die vier beteiligten Gesellschaften in “Sektionen” umgewandelt werden und selbständig bleiben sollten. Die Schützen sollten bei Gauschießen und anderen Wettkämpfen jedoch als Vertreter der Hauptgesellschaft auftreten und hätten dadurch eine größere Durchschlagskraft gehabt. Durch Querelen bei verschiedenen Mitgliedern und am Einspruch des Gaues Wolfratshausen ist dieses Vorhaben leider gescheitert.
Das 2. Gauschießen nach dem Kriege wurde 1952 durch unsere Gesellschaft mit großem Erfolg veranstaltet.
In diesem Jahr beschäftigte die Mitglieder auch der Gedanke an eine Vereinsfahne, ein Antrag in diese Richtung wurde abgelehnt.
Durch die Anschaffung von Zugständen im Schießlokal Dröscher trennte sich die Gesellschaft 1956 von einer alten Tradition: “Zieler” waren nun nicht mehr nötig.
Am 4. Mai 1957 wurde dem damaligen Schützenmeister Peter Hott das Bundesverdienstkreuz vom Bundespräsidenten verliehen.
Höhepunkte des Vereinslebens waren die jährlichen Wettkämpfe um den Gemeinde- Wanderpokal, um den sich die Schützengesellschaften Ebenhausen, Neufahrn, Zell und Hohenschäftlarn bewarben.
Beim 12. Gauschießen nach dem 2. Weltkrieg, das 1962 wieder in Hohenschäftlarn stattfand, wurde unser damaliger Schützenmeister Eduard Ritthaler Gauschützenkönig.
Ab 1973 baute die Gesellschaft mit großem Erfolg wieder eine Jugendgruppe auf. Um diesen Nachwuchs zu fördern, hatte die Vorstandschaft beschlossen für die Jugend eine eigene Schützenkette anfertigen zu lassen. Die Idee war, unter Verwendung von nach dem 2. Weltkrieg geprägten Sondermünzen eine zeitgemäße Kette ausführen zu lassen. Die meisten Sondermünzen hierfür wurden von der Kreissparkasse Wolfratshausen, deren damaliger Niederlassungsleiter unser Mitglied Josef Eichinger war, zur Verfügung gestellt. Die Kette wurde von dem Schäftlarner Goldschmied Dasch sen. Angefertigt.
Im Jahr 1976 wurde Alexander Stäblein Gaujugendvizekönig, was bewies, dass die Aufbauarbeit bei der Jugend nicht vergeblich war. Ebenfalls in diesem Jahre hatte die Gesellschaft den ersten weiblichen Schützenkönig: Die langjährige Schützenliesl Monika Pirchner hat gezeigt, dass sich das “schwache Geschlecht” sehen lassen kann.
Im Rahmen der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Schäftlarn wurde erstmals nach langen Jahren wieder ein Gemeindewanderpokal ausgeschossen; leider nahmen nur mehr drei Gesellschaften daran teil, weil die Schützengesellschaft Zell ruht oder nicht mehr existiert. Der neue Pokal wurde vom 1. Bürgermeister Erich Rühmer gestiftet. Im Zuge dieser Feier stellten die Gesellschaften Ebenhausen, Hohenschäftlarn und Neufahrn ihre Schützenkönigsketten in Vitrinen und Ständen bei der von der Gemeinde veranstalteten Ausstellung zur Verfügung. Mit dem Fest der Gemeinde konnten auch die Schützen ihr 90-jähriges Jubiläum feiern. Von Josef Samuel war aus diesem Anlaß ein Vereinswappen entworfen worden. Die 90-Jahr-Feier wurde am 17.12.1978 mit Festgottesdienst und einem Festabend gehalten.
1979 wurde die Satzung, die noch von 1950 stammte, dahingehend überarbeitet, dass auch weibliche Mitglieder in die Vorstandschaft und den Ausschuß gewählt werden können. Somit war die volle “Gleichberechtigung” hergestellt.
Im Jahre 1980 hatte die Schützengesellschaft 4 Schützenkönige: Neben den Vereinskönigen Josef Samuel und Jugendkönigin Ulrike Schulz waren Christian Schulz als Gauschützenkönig und Konrad Doll als Gaujugendkönig erfolgreich.
Unter Schützenmeister Eduard Ritthaler beschlossen 1982 die Schützen der Gesellschaft, sich eine einheitliche Kleidung anzuschaffen.
Im selben Jahr wurde Josef Samuel Gauschützenkönig und beim Königsschießen des Bezirks Oberbayern in Reichertshofen Bezirks-Vizekönig. Der Verein stellte auf elektronische Zugstände um.
Das Jahr 1985 brachte große Veränderungen für den Verein. Nachdem im Gasthof Dröscher, in dem sich seit 1919 unser Schießstand befand, größere Umbauarbeiten vorgenommen wurden, war ein Schießen im “Dröschersaal” nicht mehr möglich. Mit großer finanzieller Unterstützung der Gemeinde Schäftlarn und unter der Leitung und Organisation des amtierenden Schützenmeisters Franz Maier sowie der tatkräftigen Arbeit der Schützen konnte im Keller der Gaststätte eine neue Schießanlage, die nicht mehr auf- und abgebaut werden musste, errichtet werden. Die Mitglieder hatten sich neben dem Schießstand auch einen Aufenthaltsraum geschaffen, weil nur so ein geordnetes Vereinsleben möglich ist. Im September 1986 fand die Einweihung dieser neuen Schießanlage statt.
Die Schützengesellschaft wurde zum eingetragenen Verein und erhielt die Gemeinnützigkeit anerkannt.
Schon vorher, im Februar 1986, wurde erneut die Anschaffung einer Vereinsfahne erwogen, die dann im Jubiläumsjahr 1988 geweiht werden sollte.
In der Generalversammlung im Januar 1987 wurde der Entwurf einer Vereinsfahne aus 4 Vorschlägen von Josef Samuel ausgewählt und angenommen.
Am 24.7.1987 besuchte die Hohenschäftlarner Schützengesellschaft den Schützenverein Dingharting zum Patenbitten. Unter der Führung des 1. Schützenmeisters Hans Andrä übernahmen die Dinghartinger mit großer Freude das Patenamt, wofür ihnen an dieser Stelle noch einmal zu danken ist; ihr Wunsch ist auf einem Gewehrständer, der als “Gebetsbank” dienen kann, verewigt: “Dem Patenkind gut Schuß, viel Ring – wünschen die Schützen von Dingharting”.
Daß sich unsere Jugendarbeit bewährt hat, bewies das 34. Gauschießen im April 1988, welches in Nantwein stattfand. Hier konnte unsere Gesellschaft den Gau-Schülerpokal erringen.
Im Mai 1988 wurde das 100-jährige Vereinsjubiläum mit der Fahnenweihe, Festgottesdienst und Festzelt groß gefeiert.
Im Jahr 2005 hat die Schützengesellschaft Hohenschäftlarn die aus dem Jahr 1985 stammende Vereinssatzung überarbeitet und aktualisiert. Hauptgrund der Satzungsänderung war die vom Deutschen Schützenbund geforderte Erweiterung der bestehenden Satzung um die Belange der Jugend

 

Ehrenmitglieder: Erich Rühmer, Josef Weiser, Johann Oisch (Ehrenschützenmeister)

Das Schützenheim befindet sich in der Grundschule in Ebenhausen-Schäftlarn im Dachgeschoss